Spätestens seit den den Folgen von Goodbye Deutschland“ haben viele Menschen in Deutschland eine mehr oder weniger realistische Vorstellung davon, was Auswandern bedeuten kann. Diese Bedeutung ist heute so individuell wie die Motive.

Das war früher anders. Ich will jetzt nicht mit historischen Daten langweilen, jedoch war das Auswandern im geschichtlichen Sinn immer mehr eine Flucht und immer mit Nöten, der Gier – auch der Neu-Gier – oder dem menschlichen Streben nach Erweiterung verbunden.

Und damit meine ich nicht nur die großen bekannten Auswanderungswellen, sondern auch die, die sich auf eine bestimmte Region fokussierten, wie zum Beispiel 1709 auf die Pfalz, als sich nach der Erntekrise fast 13.000 Menschen auf den Weg nach New York machten (Quelle: 1709: Massenauswanderung nach New York).

 

Historisches Marketing wirbt für neue Heimat

In der Quelle heißt es: „Ausgelöst wurde diese Auswanderungswelle durch eine Werbeschrift des Pfarrers Josua Harrsch aus Eschelbronn im Kraichgau.

Harrsch hatte 1704 auf einer Englandreise erfahren, dass Königin Anna deutsche Siedler für ihre nordamerikanischen Kolonien suchte. Im Auftrag von englischen Großgrundbesitzern, die eine rasche Erschließung ihrer Ländereien in Nordamerika erhofften, verfasste Harrsch nach seiner Rückkehr unter dem Pseudonym Josua Kocherthal eine Flugschrift mit dem Titel „Ausführlich- und umständlicher Bericht von der berühmten Landschafft Carolina in dem Engelländischen America gelegen“.“

Darin schilderte er die Vorzüge der Neuen Welt in den höchsten Tönen. Die Flugschrift fand reißenden Absatz und erlebte vier Auflagen.“ Eine gewisse Ähnlichkeit mit Äußerungen von deutschen Staatsmännern und -frauen im Jahre 2015 sind fast nicht zu übersehen.

Ok – zurück in das Jahr unserer Auswanderung, dem Jahr 2015. Hungersnöte treiben uns zum Glück (noch) nicht aus diesem wunderbaren Land. Auch gibt es aktuell keine Kriege, Repressalien oder sonstige Verfolgungsavancen, die eine Flucht auslösen würden. Wobei sich das angesichts der immer größer werdenden Terrorgefahr und der heute (2017) aktuellen Spaltung der Gesellschaft schnell ändern könnte.

Nun: Sicherheit gibt es nirgendwo auf der Welt. Warum also packen Menschen ihr sechs plus eins Sachen? Hier eine Liste möglicher Antworten:

Gründe für eine Auswanderung

Abenteuerlust
Neuanfang
Das Leben 1.0 genießen, weil 2.0 doch sehr unwahrscheinlich ist
Steuer sparen
Die Politik nicht mehr unterstützten wollen
Selbstbestimmt leben und sterben
Weltenreisender sein
Angst vor Routine
Mut zur Veränderung
Dummheit
Naivität
Sich selbst finden
Leben
Nein zu höher, schneller, weiter
Sich erweiternd reduzieren

Kennt ihr noch mehr Gründe?

Oh, diese Liste ist noch lange nicht fertig. Was könnte es noch sein? Was wäre euer Grund für eine Auswanderung? Und, was bewegt euch, in Deutschland zu bleiben? Schreibt es einfach in den Kommentar!