Besuch auf Palawan: Taifun im Tropenparadies

Das erste Mal auf Palawan waren wir im November 2013. Ja, genau in dem November, in dem der Hurrikan Yolanda, den meisten von euch besser bekannt als Haiyan (chinesisch für Sturmschwalbe), mit einer Stärke von bis zu 380 km/h über das Land fegte und unvorstellbare Zerstörung und Leid hinterließ. Es war einer der stärksten Stürme, die seit Beginn der Wetteraufzeichnungen beobachtet wurden und der mehr als 10.000 Todesopfer forderte.

Dabei hatten wir so viel Glück – oder, wie ich immer sage, verdammt gutes Karma (an dem wir immer versuchen, zu arbeiten). Denn ursprünglich sollte uns unsere Tour für diese Zeit nach Malapascua führen, einer kleinen, hübschen Tropeninsel mit Tauchparadies. Und die vollkommen von Yolanda zerstört wurde.

Wie es aber der Zufall so wollte, fand ich eine frühere Kollegin übers Internet wieder, die seit Jahren mit Ihrem Mann auf den Philippinen lebt. Kurz vor unserer Reise entschieden wir uns dann, gemeinsam mit ihr für ein paar Tage auf IHRE Insel zu reisen: Palawan.

Glück im Unglück gehabt

So haben wir zwar die Auswirkungen des Sturms erlebt, aber die Kraft des Hurrikans selbst nur in abgeschwächter Form. Aus Malapascua stand nach Yolanda keine Palme mehr – und nur dank einer Heerschar von Schutzengeln sind dort keine Menschen ums Leben gekommen. Zum Thema Stürme sowie andere Naturkatastrophen werde ich an anderer Stelle noch schreiben.

Zurück nach Palawan. Das Eiland liegt im äußersten Westen der Philippinen und wird wegen seiner Lage auch oft „The last frontier“ genannt. Die Insel ist die Heimat des Dugong (Seekuh), eines der seltensten Meeressäuger der Welt sowie das Zuhause 81 verschiedener Kulturen und 52 verschiedener Dialekte. Bis vor kurzem war es ein noch relativ unbekanntes Juwel, malerisch gelegen zwischen Sulusee und dem Südchinesischen Meer. Und noch eine Besonderheit zeichnet dieses Tropenparadies aus: Es liegt nicht direkt auf dem Ring of Fire und wird daher auch von Erdbeben und Vulkaausbrüchen verschont. Und selbst Hurrikans erreichen das Eiland selten.

Taifun im Tropenparadies

Wir reisen also mit unseren Freunden von Cebu nach Puerto Princesa, Hauptstadt der Provinz Palawan. Flüge sind günstig mit Cebu Pacific und Philippine Airlines möglich – und das Entertainmentprogramm durch die Flugbegleiterinnen ist unbezahlbar. In Puerto verbringen wir noch zwei ruhige Tage, um dann weiter nach Sabang, ein Traumstrand zwei Stunden nördlich von Princesa, zu reisen.

Diesen genießen wir am ersten Tag auch noch in vollen Zügen. Der nächste Morgen begrüßt uns mit starkem Wind und leichtem Regen. Mittlerweile ist Yolanda in aller Munde, wenngleich immer noch alle zuversichtlich sind. Nachmittags wird der Wind allerdings spürbar kräftiger und abends kommt der Regen waagrecht. Wir verbringen die Zeit in unserem Bungalow, der zwar sehr stabil ist, dennoch drückt der Regen ein wenig durch die Bambuswände und die extremen Böen, die alle 45 Minuten wiederkommen, rütteln gewaltig an ihnen.

Unterbrochen von Stromausfällen verfolgen wir angespannt die Nachrichten und können nur erahnen, welch Katastrophe sich gerade an der anderen Seite des Landes ereignet. Denn während wir trotz allem noch relativ sicher sind, trifft der Sturm auf die Visayas, denen er unvorstellbare Zerstörung und Leid bringt.

Demütig und dankbar

Schlafen können wir in der Nacht kaum, dafür wütet der Sturm zu sehr. Dass er bei uns im Vergleich zu den Visayas nur ein laues Lüftchen war, erfahren wir er am nächsten Tag. Auch von Malapascua erreichen uns schlimme Nachrichten. Und wir beide sind einfach nur demütig und dankbar, dass wir diese Naturkatastrophe so unbeschadet überstehen durften.

In den kommenden Tagen erleben wir, mit welchem Gleichmut und welcher Demut die Philipinos ihr Schicksal annehmen. Überall hat der Sturm Auswirkungen, was logisch ist und wir versuchen, so gut es geht, zu helfen. Und überall entschuldigt man sich bei uns für die Unannehmlichkeiten, die wir erleben. Kaum zu glauben, angesichts der vielen Toten und der Zerstörung.